Lauenareal: Die Neugestaltung und ihre Architekten

Was macht einen Entwurf zum Sieger unter 108 Bewerbungen aus ganz Deutschland und der EU?

Ein intensiver Auswahlprozess, 20 geladene Büros, 18 ausgearbeitete Konzepte – und am Ende eine Entscheidung, die nicht nur architektonisch, sondern auch städtebaulich überzeugt. Wer steckt hinter dem Entwurf, der künftig das Lauenareal prägen wird?

108 Bewerbungen aus ganz Deutschland und der EU, 20 ausgewählte Teilnehmende, 18 eingereichte Wettbewerbsarbeiten – und schließlich ein Siegerentwurf, der die Jury in besonderer Weise überzeugte. Den Zuschlag erhielt bogevischs buero aus München. Mit seinem Konzept für das Sorbische Wissensforum am Lauenareal setzte sich das Büro gegen starke Konkurrenz durch und gestaltet nun das neue architektonische Gesicht des Areals.

Der Siegerentwurf von bogevischs buero (überarbeiteter Stand Mai 2026)
© bogevischs buero

Der Siegerentwurf von bogevischs buero (überarbeiteter Stand Mai 2026)
Visualisierung: bogevischs buero

Ein Torbogen zur Stadtgeschichte

Die Verbindung zwischen Bautzens 1000-jähriger Geschichte und moderner Architektur

„Unser Interesse gilt weniger dem Neuen oder Modischen. Das Neue ist ja selten lange neu, Formen überholen sich.“ Dieser Leitsatz beschreibt die Haltung von bogevischs buero treffend. Zwei Dinge waren es, die die Jury vor allen anderen vom Siegerentwurf überzeugten und sich von anderen eingereichten Ideen abgrenzten: Mit dem halbrunden Torbogen im Neubau greift der Entwurf ein prägendes Motiv der Altstadt auf und übersetzt es in eine zeitgemäße architektonische Sprache. Hiermit und auch mit den trapezförmigen Grundrissen fügt sich das Sorbische Wissensforum harmonisch in Bautzens historische Altstadt mit ihren Bögen, Türmen und engen Gassen ein. Gleichzeitig überzeugt das Konzept durch Nachhaltigkeit: Als einer der wenigen Beiträge sieht die Einreichung von bogevischs buero den Erhalt der gewachsenen Strukturen ringsum vor – berücksichtigt auch einen sensiblen Umgang mit dem Bestand und bezieht die historischen Gebäude in die Planungen ein, während der Neubau die Entwicklungen der Zukunft schon mitdenkt.

Der Direktor der Stiftung Jan Budar gratuliert Rainer Hofmann, Geschäftsführer bogevischs buero, zum Siegerentwurf während der Ehrung der Preisträger im Architektenwettbewerb am 14.06.2023.
Foto: Stiftung für das sorbische Volk

zwei Männer geben sich die Hände zur Gratulation

Der Auswahlprozess

Aufgrund der Bausumme musste das Projekt europaweit ausgeschrieben werden. 113 überwiegend in Deutschland und der Region ansässige Architekturbüros beteiligten sich an der Ausschreibung. Davon wurden 108 zum Auswahlverfahren zugelassen. Fünf Teilnahmeanträge erfüllten die Mindestkriterien nicht. Aus den zugelassenen Bewerbungen wurden anschließend 20 Büros sowie fünf Nachrücker ausgelost und zum Wettbewerb eingeladen. Alle Entwürfe wurden anonymisiert begutachtet – erst nach der Entscheidung der Jury wurden die Namen der einreichenden Architekturbüros bekanntgegeben. Und so ging der Planungsauftrag schließlich an das Münchner Architekturbüro bogevischs buero.

mehrere Personen stehen vor Leinwändene an denen architektonische Entwürfe angebracht sind

Während einer langen Sitzung am 01. Juni 2023 setzte sich das Preisgericht eingehend mit den eingereichten Entwürfen auseinander. 
Foto: Stiftung für das sorbische Volk.

Ein lebendiges Zentrum für Kultur und Begegnung

„Mit dem Sorbischen Wissensforum am Lauenareal entsteht ein Ort, der Geschichte bewahrt und Zukunft gestaltet – architektonisch sensibel, nachhaltig gedacht und offen für alle“, so der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Jan Budar, über das Bauvorhaben. „Wir möchten damit einen neuen Raum für Austausch, Bildung und kulturelle Identität schaffen.“ Eingeplant sind daher auch kollaborativ nutzbare Räume, wie etwa ein großer Veranstaltungssaal, Grünflächen in den Innenhöfen sowie ein Raum zum Pausieren. Das neue Wissensforum am Lauenareal soll ein Ort für ein breites Publikum sein – ein Ort für Bürgerinnen und Bürger aus Bautzen und dem Umland, Sorbinnen und Sorben, Forschende, Studierende, Schülerinnen und Schüler, Touristen von nah und fern und Kulturinteressierte.

Bauabschnitt für Bauabschnitt: Wie es weitergeht

Mit dem Zuschlag wurden die Architekten mit der weiteren Planung beauftragt – auf dem Weg vom Entwurf bis zum Baubeginn fiel noch einiges an Detailplanung an, in die das Sorbische Museum und das Sorbische Institut mit einbezogen wurden. 

Nun sind die Feinabstimmungen geschafft, und es kann schon bald losgehen. Zunächst ist die Sanierung der Altbauten vorgesehen, später der Neubau. Zuvor werden archäologische Untersuchungen ausreichend Zeit erhalten.

In den Neubau werden Dauer- und Sonderausstellungsbereiche, das Trachtendepot, ein Workshop- und ein museumspädagogischer Raum, Verwaltung und Werkstätten des Sorbischen Museums sowie der öffentliche Lesesaal und die Magazine der Sorbischen Zentralbibliothek und des Sorbischen Kulturarchivs einziehen. Den Veranstaltungssaal nutzen Museum und Institut gemeinsam. Zusätzlich bietet der begrünte Innenhof künftig die Möglichkeit einer saisonalen Nutzung, beispielsweise für saisonale Gastronomie und Veranstaltungen. 

In den sanierten, denkmalgeschützten Altbauten in der Ecke Goschwitzstraße/Äußere Lauenstraße und Alte Posthalterei finden Büros für die beiden Abteilungen Sprach- und Kulturwissenschaft und die Leitung, ein Open Space Büro, Räume für Digitalisierungstechnik und Veranstaltung(en) ein neues Zuhause. 

Überblick über die Nutzungsbereiche aus dem Architektenentwurf.
Grafik: bogevischs buero

Grafik zur Aufteilung der verschiedenen Nutzungsbereiche im Sorbischen Wissensforum