Pläne werden Zukunft: Das Sorbische Wissensforum am Lauenareal

Mitten in Bautzen/Budyšin entsteht das Sorbische Wissensforum am Lauenareal, zwischen Lauengraben, Goschwitzstraße und Äußerer Lauenstraße, mit einem attraktiven Neubau und zwei denkmalgerecht sanierten Gebäuden: der Alten Posthalterei und dem Hillerschen Ensemble. Damit verschwindet eine langjährige Brachfläche aus der Altstadt – auf Teilen dieser Fläche soll ein neuer Ort wachsen, der der breiten Öffentlichkeit die sorbische Kultur und Wissenschaft näherbringt. Zwei wichtige sorbische Institutionen rücken an einem Standort im Zentrum von Bautzen zusammen: das Sorbische Museum mit seinen umfangreichen Sammlungen und das Sorbische Institut mit dem Sorbischen Kulturarchiv und der Sorbischen Zentralbibliothek.

Die Kombination aus einem Neubau und der Sanierung historischer Gebäude schafft künftig die räumlichen und technischen Voraussetzungen für zeitgemäße Ausstellungs-, Vermittlungs- und Veranstaltungsformate, moderne Arbeitsbedingungen für Wissenschaft und Forschung sowie klimatisierte Archive.

Querschnitt durch das Bauprojekt im Architektenentwurf
Grafik: bogevischs buero

Funktionaler Neubau und Erhalt historischer Gebäude

Das Sorbische Wissensforum am Lauenareal belebt mit dem Neubau eine jahrelang ungenutzte Fläche. Das Areal liegt zentral und gut erreichbar im Herzen Bautzens – und in unmittelbarer Nähe des historischen Vorgängers: Nur wenige Meter entfernt befand sich das 1945 zerstörte Wendische Haus, in dem die Vorläuferorganisation von Museum und Institut, die Maćica Serbska, seit Anfang des 20. Jahrhunderts untergebracht war.

Teil der Baupläne ist die Sanierung historischer Gebäude, darunter die Alte Posthalterei, eines der ältesten Baudenkmäler der Stadt. Während das Gebäude lange Zeit vom Abriss bedroht war, wird es nun erhalten und grundlegend saniert. 

Mitglieder des Stiftungsrats besichtigen im Januar 2022 das Gelände der denkmalgeschützten Alten Posthalterei, das von der Stiftung für das sorbische Volk erworben wurde
Foto: Stiftung für das sorbische Volk

Der Neubau zitiert in seiner Gestaltung Motive der Bautzener Altstadtarchitektur. Zusammen mit der Ertüchtigung der direkt anschließenden Bestandsgebäude entsteht auf dem Lauenareal ein öffentlicher Ort mit modern ausgestatteten Arbeits-, Archiv- und Ausstellungsräumen, Optionen für Veranstaltungen, und ein barrierefrei zugänglicher Lesesaal für Archiv und Bibliothek.

Überblick Nutzungsbereiche im Architektenentwurf
Grafik: bogevischs buero

Warum ein Sorbisches Wissensforum?

Bündelung an zentraler Stelle als Faktor für Identität, Attraktivität und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Lausitz

Das Sorbische Wissensforum bündelt sorbische Kultur, Wissenschaft, Erinnerung und Zukunftsentwürfe unter einem Dach. Als gemeinsamer Ort für das Sorbische Museum und das Sorbische Institut mit der Sorbischen Zentralbibliothek und dem Sorbischen Kulturarchiv verknüpft es Forschung, Sammlung, Bewahrung und Vermittlung rund um sorbische Sprache, Geschichte und Kultur enger miteinander und schafft Synergien zwischen den Einrichtungen. Darüber hinaus soll das Sorbische Wissensforum die sorbische Kultur für ein breites Publikum dauerhaft sichtbar und zugänglich machen, Neugier wecken und Wissen vermitteln.

Zugleich unterstreicht das Projekt als eines der größten Vorhaben auf Grundlage des Strukturstärkungsgesetzes die Rolle Bautzens als kulturelles Zentrum der Sorben und der Oberlausitz. Durch die zentrale Lage im Herzen der Stadt entsteht ein attraktiver Anlaufpunkt – für Einwohnerinnen und Einwohner, Schulklassen und Bildungsreisende, Studierende und Touristen sowie für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland, Europa und der Welt.

Neue Räume für die beteiligten Institutionen

Das Sorbische Museum Bautzen

Das Sorbische Museum ist die zentrale museale Einrichtung zur Geschichte, Kultur und Lebensweise der Sorben. Es sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt materielle und immaterielle Zeugnisse sorbischen Lebens (von den historischen Anfängen bis in die Gegenwart). Die Dauerausstellung widmet sich der Kulturgeschichte der Sorben vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Thematisch eigenständig besteht die Abteilung der bildenden Kunst. Die Sonderausstellungen sind ein ergänzendes und vertiefendes Angebot, und befassen sich meist mit regionalen Charakteristika oder nationalen Minderheiten. Die Kunstausstellungen ergänzen die programmatische Ausrichtung und eröffnen einen neuen Blick auf bestimmte Themen.

Dabei stoßen die bisherigen Räumlichkeiten mit Blick auf die Anforderungen an zeitgemäße Museumsarbeit zunehmend an ihre Grenzen. Mit dem Wunsch nach flexibleren Ausstellungsräumlichkeiten, moderneren Vermittlungsformaten und besseren konservatorischen Bedingungen für das Trachtendepot – der größten Sammlung sorbischer Trachten aus der ganzen Lausitz – werden neue Räume notwendig. 

Das Sorbische Institut

Das Sorbische Institut ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit kultur- und sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt sowie einer Abteilung für Regionalentwicklung und Minderheitenschutz. Das Institut erforscht Geschichte, Sprache und Kultur der Sorben in der Ober- und Niederlausitz sowie die Auswirkungen des Strukturwandels auf die Minderheit. Außerdem richten sich die interdisziplinären Forschungen des Instituts auf die aktuelle Situation, Spezifik und den Vergleich kleiner Sprachen und Kulturen in Europa. 

Zum Institut gehören die Sorbische Zentralbibliothek und das Sorbische Kulturarchiv als einzige öffentliche Spezialsammlungen für sorbisches und sorabistisches Bibliotheks- und Archivgut – mit umfangreichen Beständen von Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Handschriften, Korrespondenzen, Fotos, Film und Musikalia.

Auch hier sind die räumlichen Kapazitäten am bisherigen Standort bereits seit Jahren ausgereizt. Insbesondere die wertvollen Archiv- und Bibliotheksbestände benötigen geeignete klimatische und konservatorische Bedingungen. Für die Nutzerinnen und Nutzer bedarf es einer ausreichenden Zahl an Arbeitsplätzen sowie eines barrierefreien Zugangs zum Lesesaal.

Grundriss der Gebäudeeinheiten im geplanten Projekt
Grafik: bogevischs buero

Von der Bedarfsmeldung zum Bauprojekt – die Vorgeschichte

2015 meldete das Sorbische Institut erstmals den dringenden Bedarf nach neuen Räumlichkeiten vor allem für das Archiv an. Eine erste Machbarkeitsstudie ergab, dass die Denkmalschutzauflagen einen bedarfsgerechten Umbau der bisher genutzten Immobilie nicht erlauben. Auf der Suche nach einem geeigneten Baufeld sowie möglichen Fördermitteln wurde 2020 das Sorbische Museum in die Überlegungen einbezogen, da auch hier der Bedarf an flexibleren und größeren Räumlichkeiten bestand und Synergien zwischen den beiden Institutionen gesehen wurden.

2021 wurde das Vorhaben, deren Kosten damals gemäß einer groben Schätzung mit 44,5 Mio. Euro beziffert wurden, als Landesmaßnahme des Freistaats Sachsen bestätigt, die Finanzierung erfolgt über Mittel des Bundes im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes (90 %) sowie durch den Freistaat Sachsen (10 %).

Mehr zur Projektgenese finden Sie im Zeitstrahl.

Organisation und Ausblick

Bauherr des Projekts ist die Stiftung für das sorbische Volk. Das Sorbische Museum und das Sorbische Institut sind eng in die Planungen eingebunden.

Den Architekturwettbewerb für Neubau und Sanierung gewann 2023 bogevischs buero aus München, die damit auch den Planungsauftrag erhielten.

Der Abschluss der Planungen wird 2026 erwartet. Der Baubeginn ist für Sommer 2026 vorgesehen, die Fertigstellung und Eröffnung des Sorbischen Wissensforums für Ende 2029.

Der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, Jan Budar, erklärt in einem Beitrag des Sachsen Fernsehen das Ziel des Projektes
Foto: Sachsen Fernsehen

ein Mann steht vor einem Architekturmodell, im Hintergrund hängen die Pläne der Architekten

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum wird das Sorbische Wissensforum nicht an dem Platz gebaut, auf dem früher das Haus der Sorben stand (direkt an der Vogelkreuzung)?

Die Stiftung hat sich um einen Erwerb des entsprechenden Grundstückes bemüht, jedoch stand dieses nicht zur Verfügung, ebensowenig das Grundstück, auf welchem sich derzeitig der große Privatparkplatz befindet. Nach vielen Verhandlungen mit den verschiedenen Eigentümern der Grundstücke auf dem Lauenareal konnte die Stiftung folgende Grundstücke erwerben:

  • Goschwitzstraße 9 („Alte Posthalterei“)
  • Lauengraben 6 und 8 (vormals EP)
  • Äußere Lauenstraße 7 und 9 (Ecke Intersport Tim)

Auf den in der Karte rot eingezeichneten Grundstücken kann das Sorbische Wissensforum gebaut werden
Grafik: Stiftung für das sorbische Volk

Warum wurden regionale Architekturbüros beim Wettbewerb nicht berücksichtigt?

Um den bestmöglichen Entwurf für das Projekt herauszufinden, wurde ein Wettbewerb als nichtoffener Realisierungswettbewerb mit einem vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt. Aufgrund der Bausumme wurde der Wettbewerb europaweit ausgeschrieben.
Um die Teilnahme am Wettbewerb haben sich insgesamt 113 Architekturbüros vorwiegend aus Deutschland und unserer Region beworben. Davon wurden 108 Büros für das Auswahlverfahren zugelassen. Von diesen wurden durch Auslosung zufällig 20 Büros und fünf Nachrücker als Teilnehmer des Wettbewerbs gezogen. Es hat also der Zufall über die Teilnahme am Wettbewerb entschieden.

Warum hat ein Münchner Architekturbüro den Zuschlag erhalten und kein regionales Büro?

(siehe auch vorhergehende Frage)
Alle eingereichten Entwürfe wurden dem Preisgericht anonymisiert vorgestellt, d.h. die Entwürfe wurden lediglich mit Nummern und ohne Namen versehen. Das Preisgericht hat sich nach umfangreicher Beschäftigung mit den Einreichungen für einen Entwurf entschieden, der die gestellten Anforderungen am besten erfüllt. Erst nach der Wahl des Siegerentwurfes wurde bekannt gegeben, welches Architekturbüro diesen Entwurf eingereicht hatte. Es wurde also nicht das Büro ausgewählt, sondern der Entwurf.

Warum wurde nicht ein „optisch ansprechenderer“ Entwurf ausgewählt?

„Über Geschmack lässt sich streiten“ oder eben nicht. Die Entscheidung für diesen Entwurf erfolgte in der Jury gemeinsam mit den Bedarfsträgern, erfahrenen Architekten und zusätzlichen Fachberatern, welche verantwortlich sind für unterschiedliche für diesen Bau relevanten Bereiche, wie Vertreter der Stadt, des Denkmalschutzes und des Bauverwaltungsamtes sowie Mitarbeiter der beiden Institutionen, die das Sorbische Wissensforum beziehen werden. Für die Beurteilung der eingereichten Entwürfe hat sich das Preisgericht viel Zeit genommen, um die Funktionalität der Grundrisse und Gebäudestrukturen zu beurteilen und sich nicht nur ein optisches Urteil zu bilden. Der Siegerentwurf erfüllt am ehesten alle Anforderungen der Bedarfsträger.

Die Preisjury hat folgende Kriterien für die Bewertung der Projekte berücksichtigt:

  • städtebauliche Einbindung
  • architektonische Qualität
  • Funktionalität und Programmerfüllung
  • Zonierung der Freiflächen
  • Wirtschaftlichkeit des Entwurfskonzeptes in Bezug auf Investitions- und Unterhaltskosten

Der Siegerentwurf ist zunächst nur ein Entwurf, der die grobe Richtung vorgibt und als Grundlage für die nächsten Planungsschritte dient. Er wurde gemeinsam mit den Bedarfsträgern im Detail weiterentwickelt und optimiert, so dass sich auch noch einige Dinge verändern haben. Dabei waren beispielsweise auch die Fensterplanung und die Dachkante im mittleren Bauteil ein Thema. Der fertige Gebäudekomplex wird also nicht 1:1 dem Siegerentwurf entsprechen.

Werden regionale Baufirmen am Bau des Wissensforums beteiligt sein?

Das Münchner Architekturbüro bogevischs buero, welches den Siegerentwurf erstellt hat, wurde mit der weiteren Planung des Sorbischen Wissensforums beauftragt. Für die Umsetzung der Baumaßnahme werden die einzelnen Gewerke zur gegebenen Zeit separat ausgeschrieben. Wir hoffen sehr, dass sich viele regionale Baufirmen an den Ausschreibungen beteiligen werden.